Pekić und Ironie
«Keine Poststelle der Wahrheiten» – Was Pekićs Ironie heute fordert Die Szene ist rasch erzählt: Ein Interviewer fragt Borislav Pekić – 1968, im Lärm der Parolen und der verheißungsvollen Gewissheiten –, ob Ironie heute das letzte brauchbare Verhältnis zur Wirklichkeit sei oder bloß das Eingeständnis unserer Ohnmacht. Pekić antwortet trocken: „Mit Literatur baut man die Welt nicht auf. Im besten Fall zerlegt und untersucht man sie damit.“ Und weiter: Ironie sei nur eine Ebene jener der Literatur „innewohnenden negativen Haltung zur Welt“. Der Schriftsteller sei kein Postbote, die Literatur keine Poststelle: Sie verschicke keine Lösungen, sie prüfe Voraussetzungen. Dürers „Melencolia I“ (1514) – Die Allegorie der Prüfung: Werkzeuge liegen bereit, doch der Genius hält inne. Wie Pekić sagt: Literatur baut keine Welt auf, sie prüft ihre Voraussetzungen. Man kann diese Sätze als höfliche Absage an die Instrumentalisierung von Kunst lesen. Man kann in ihnen aber auch einen Handlungsaufruf er...